KI Texte

KI kann das nie

Warum Stadtwerke echte Texte brauchen

Der Check nach dem Schock – die Erkenntnisse eines traumatisierten Texters im Umgang mit textgenerierender KI, die es zugegebenermaßen versteht, zu blenden.

Ein Topf mit Brei steht auf einem Brettchen auf der Küchenanrichte. Daneben ein Buch mit echten Texten – keine KI-Texte.

Um es klar zu sagen: Dieser Text ist eine Reaktion auf KI-Texte und wurde nicht von KI geschrieben, noch nicht einmal mit der Unterstützung von KI korrigiert. Er stammt allein aus meinem Hirn. Mit anderen Worten: aus dem Hirn eines in akademischer Old-School-Manier ausgebildeten Philosophen und Literaturwissenschaftlers, der seine Free-Floating-Intelligence drei Jahrzehnte lang der Textproduktion im marktwirtschaftlichen Kontext gewidmet hat – also im Wesentlichen dem Aufbau von Markenidentität und der Steigerung des Absatzes –, nur um circa 2023 zu erfahren, dass seine Skills fortan durch Maschinen ersetzbar sind.

So schien es jedenfalls zunächst, und es gab keinen Grund, daran zu zweifeln, dass durch Umsatzeinbußen gebeutelte Unternehmen das Texterhonorar einsparen und sich mit der prompten und loyalen Arbeit des Kollegen ChatGPT zufriedengeben würden. Tatsächlich musste ich mir anhören: „Das reicht uns im Moment, Sie haben für uns so viele tolle Texte geschrieben, da können wir mit etwas KI aufgefrischt noch Jahre von zehren.“

Da stehst du dann als Texterdepp, und alles, was vorher selbstverständlich war, ist mit einem Fingerschnippen perdu. Irgendwann bekommt man dann die ersten Ergebnisse in die Hand. Zweifellos hochveranlagte Grafikdesigner, die Texte von Haus aus eher als störenden Grauwert betrachten, haben mal kurz einen rausgehauen. Ja, da steht etwas, aber es hat mit der Marke, der Tradition, dem Stolz, dem Können, der Persönlichkeit und den ganzen Mühen, die in der Entwicklung und Produktion einer neuen Produktreihe liegen, nicht das Geringste zu tun.

Da hätte man besser gleich eine graue Fläche in das Layout einsetzen können. Dem Texter kommen die Tränen. Im Ernst: Das ist doch jämmerlich. Was nutzt denn das tollste Design, wenn der Inhalt eine Nullnummer ist? Vertane Chance. Der Kunde tut mir leid.

Am Anfang spiele ich die Charaktereigenschaften aus, die der Fußballclub meiner Heimatstadt mit einem typischen Hang zur Selbstironie zum Slogan erhoben hat: stur, hartnäckig, kämpferisch. „Mir doch egal. Das wollen wir doch mal sehen. Die spinnen doch!“ Mit dieser Einstellung halte ich mich zunächst fern von Eingabefenstern, die mich mit einem schleimigen „Wie kann ich dir helfen?“ zu locken versuchen. Wieso überhaupt Du? Wer hat dieser KI die Erlaubnis gegeben, mich zu duzen? Nicht, dass ich etwas gegen das sozialistische Du einzuwenden hätte, aber so ganz ohne Vorlauf und Vorstellung – das erscheint mir ein wenig überstürzt.

Apple Computer mit Notiz "Bitte siezen".

Folgerichtig ist die Beziehung zwischen mir und der KI von Anfang an angespannt. Daran ändert sich erst recht nichts, als ich von meinem Chef – ja, ich bin zwischenzeitlich in den sicheren Hafen des Angestelltendaseins zurückgekehrt – aufgefordert werde, einen Artikel über das Schmelzen der Gletscher zu schreiben.

Um mir zu demonstrieren, wie die digitale Konkurrenz so etwas erledigt, gibt er in meinem Beisein einen Prompt ein, der in etwa dem Briefing entspricht, das er mir zuvor gegeben hat. Dann drückt er die Enter-Taste. Die Maschine zeigt für wenige Sekunden an, dass sie sich etwas zusammenreimt, dann taucht der Artikel auf: 6.000 Zeichen, sauber durch Zwischenunterschriften strukturiert, prägnante Headline, emotionaler Einstieg. Ich drucke mir das Ergebnis aus und spiele mit dem Gedanken, sofort den Stift hinzuschmeißen, meine Sachen zu packen und mich zu betrinken. Das war’s dann. Tschüss, war ’ne coole Zeit, als man noch gebraucht wurde.

Ich bin dann doch geblieben und habe noch mal genauer hingeschaut. Eine Eigenschaft KI-generierter Texte ist, dass sie auf den ersten Blick galaktisch aussehen: hochglänzend, pflegeleicht und knitterfrei. Dann aber stellt sich schnell heraus: „Die KI labert gerne, fantasiert zu viel und liegt manchmal so weit daneben, dass man dahinter schon eine betrügerische Absicht vermuten könnte.“ Wenn du – damit meine ich das vertrauliche Du unter Freunden – dich auf die KI verlässt, bist du verloren.

Das sage nicht nur ich, sondern auch viele Texter, deren Erfahrungen im Umgang mit der KI ich mir angesehen habe, um einen Überblick zu bekommen, was andere Profis von der ganzen Sache halten. Seitdem geht es mir deutlich besser, und ich bin zu einer friedlichen Koexistenz bereit, die übrigens auch meine Schreiberkollegen für vernünftig halten: Technologie, gepaart mit menschlicher Kreativität, erweitert das Spektrum der Möglichkeiten und wird zum Wettbewerbsvorteil. So in etwa.

Leben einem Laptop steht ein Modell eines Saurier-Skeletts und ein Post-It mit der Notiz "Noch nicht ausgestorben".

Wir alle kennen die Geschichte vom Aussterben der Dinos: Meteorit, Staub, kalt, tot. Wird es beim Textersterben ähnlich laufen: ChatGPT, Textehagel, Nahrungsverlust, tot? Ich habe mich im Internet auf die Suche nach Einschätzungen gemacht und war erstaunt, wie positiv und selbstbewusst Texterinnen und Texter in die Zukunft blicken. Hier die Quintessenz der Stimmen und Erkenntnisse.

1. Ausblick KI-Texte: Einheitsbrei auf Knopfdruck

Die KI macht es für Unternehmen einfacher, Texte zu schreiben. Allerdings erfindet KI nichts Neues, sondern greift auf Inhalte zurück, die es schon gibt. Nach dem Gesetz der Entropie muss also irgendwann zwangsläufig alles gleich klingen. Somit wird der Markt von Texten überschwemmt, deren Qualität maximal ausreichend ist. Tragisch wird es, wenn der Verlust der Qualität auch mit einem Verlust des Urteilsvermögens einhergeht. Was passieren kann, wenn innerhalb der Unternehmen und Institutionen die Expertise abgebaut wird und niemandem mehr auffällt, dass die Texte keinen Leser hinter dem Ofen hervorlocken.

2. Menschliches Feingefühl schlägt maschinelle Perfektion

Vor dem Hintergrund des Einheitsbreis schlägt die Stunde der Kreativen, die in der Lage sind, originären Content und Textqualität zu produzieren. In folgenden Punkten hebt sich die menschliche Intelligenz klar von der KI ab.

Storytelling

Leser und Kunden erwarten Authentizität und inhaltliche Tiefe. Geschichten, die auf der Basis menschlicher Erfahrungen und eines ernst gemeinten Dialogs mit einer eigenen Stimme erzählt werden, stechen aus der Masse heraus.

Redaktionelles Urteilsvermögen

Unternehmen brauchen Experten, die Textqualität beurteilen können, die perfekt gemachten Bullshit von echten Themen unterscheiden und darüber hinaus die KI steuern und gezielt einsetzen.

Strategischer Überblick

Ein toller Text im luftleeren Raum bringt niemanden weiter. Jeder Text ist nur ein Baustein in dem größeren Gefüge, das durch Marke, Persönlichkeit und strategische Ziele definiert ist. Der KI fehlt der Zugriff auf die sinnliche Dimension, die Nebengeräusche, das periphere Sichtfeld, das in jeden guten Text als unsichtbarer Hintergrund einfließt.

3. Selbst schreiben heißt selbst denken

Von der Mehrheit der Texterinnen und Texter wird die KI als Sparringspartner für den ersten Entwurf, für Ideenskizzen, alternative Formulierungen und zur Effizienzsteigerung bei der Recherche begrüßt. Ausnahmslos durchläuft der Text eine Phase gründlicher Überarbeitung, wobei diese zum Teil als aufwendiger empfunden wird als das Verfassen des Textes selbst. Manche Kollegen verzichten nicht nur deshalb, sondern auch zugunsten der persönlichen Note vollständig auf KI und erklären ihren Text zu einer originären Schöpfung, die selbstverständlich ihren Preis hat.

Tatsächlich gibt es bereits Programme, die den KI-generierten Anteil eines Artikels präzise feststellen können. Wie peinlich es ist, wenn sich der teuer eingekaufte Text als hundertprozentiges KI-Produkt erweist, muss man nicht weiter ausmalen. Vorsicht ist also auch bei der fröhlich-unbeschwerten Verwendung von KI die Mutter der Porzellankiste. Einen guten Selbstschutz bietet auch der transparente Umgang mit dem Einsatz von KI. Wenn man gegenüber seinen Kunden klar benennt, wann und wo man KI eingesetzt hat, kann einem daraus im Nachhinein kein Strick gedreht werden.

Wer weiß, vielleicht ist auch die Kennzeichnungspflicht in Zukunft eine Lösung, damit Menschen wissen, womit sie es zu tun haben. „Dieser Text wurde von KI geschrieben“, heißt es dann vielleicht und führt dazu, dass man schnell weiterblättert.

Am Ende meiner Recherche bin ich entspannt. Ein Kollege schreibt: „Die KI ist keine neue Chefin, sie bestimmt nicht unser Tun, sie nimmt mir nicht den Job weg – sie ist lediglich eine gute Praktikantin.“ So sehe ich es jetzt auch. Wenn wir mit unseren Texten am Menschen bleiben, was wir laut klassischer Lehre der ganz Großen wie David O’Gilvy sowieso tun sollten, dann wird KI das Schreiben nicht ersetzen, sondern neu definieren – ähnlich wie die Kamera die Malerei nicht ersetzt, sondern transformiert hat. Im besten Fall ist dieser Artikel ein Beweis dafür, dass wir Menschen doch noch ein paar heiße Eisen im Feuer haben. Auch wenn die KI mit digitalem Kaminfeuer für Stimmung sorgt, fehlt ihr doch die Glut, an der wir unser Herz erwärmen können.

Ich beziehe mich in meinem Artikel auf Aussagen von 10 Texterinnen und Textern, die für die Blogbeiträge auf der Seite https://www.schreiben-als-beruf.de/ interviewt wurden.

KI-Programme mit denen Texterinnen und Texter arbeiten:



https://www.perplexity.ai/

https://chatgpt.com/

https://www.midjourney.com/
https://claude.ai/
https://wortliga.de/
https://www.scribbr.de/rechtschreibpruefung/
https://www.spellboy.com
https://copilot.microsoft.com/
https://leonardo.ai/

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